Der Startschuss für den zweiten Bauabschnitt, den eigentlichen Umbau der Schieberstation, bei dem die wassertechnologische Ausrüstung in und um das Bauwerk erneuert wird, fiel im Oktober 2021. Aufgrund der Besonderheiten der Anlagentechnologie im Gesamtsystem und der Herausforderung des Umbaus im laufenden Betrieb wurde die Entscheidung getroffen, diese Baumaßnahme fast ausschließlich in Eigenleistung und in zwei Phasen zu realisieren. Dabei erfolgte von Oktober bis November 2021 zunächst die Erneuerung eines ersten Teils der zu ertüchtigenden Wassertechnologie. Ohne versorgungsrelevante Unterbrechungen konnte die Station termingerecht in einen stabilen Übergangsbetrieb genommen werden. Die Winterpause wurde genutzt, um die seit März 2022 laufende zweite Bauphase final vorzubereiten, in der der Austausch der wassertechnologischen Ausrüstung komplettiert wird. Der Abschluss der gesamten Maßnahme ist für das erste Halbjahr 2022 geplant. Als Voraussetzung zur Durchführung der Maßnahme im laufenden Betrieb wurde Anfang 2021 zunächst eine Optimierung der Funktionalität des Behälters vorgenommen. Im Ergebnis kann der Hochbehälter nun als Gegenbehälter über den Auslauf, Gegenbehälter über den Einlauf oder als Durchlaufbehälter betrieben werden. Diese verschiedenen Betriebsmodi machen die Anlage flexibler im Hinblick auf verschiedene Betriebsszenarien im Fernwassersystem. In der Arbeitsgemeinschaft der Wasserversorger im Einzugsgebiet der Elbe (AWE) haben sich sechs Wasserversorgungsunternehmen aus Mitteldeutschland und Berlin zusammengeschlossen, um gemeinsam für eine langfristig auf einem hohen qualitativen Niveau abgesicherte und effiziente Trinkwassergewinnung einzutreten. Prioritäres Ziel der AWE ist die Verbesserung der Oberflächenwasserqualität in der Elbe und ihrer Nebenflüsse, um mit naturnahen Aufbereitungsverfahren Trinkwasser produzieren zu können. Da diese Ziele auch in Artikel 7 der europäischen Wasserrahmenrichtlinie verankert sind, schloss sich die AWE bereits 2019 mit anderen Flussgebiets-gemeinschaften an Rhein, Donau, Ruhr, Maas und Schelde zur ERM-Koalition zusammen. Benannt ist das Bündnis nach dem 2020 gemeinsam veröffentlichten Europäischen Fließgewässermemorandum (European River Memorandum, ERM). Im vergangenen Jahr ist die Öffentlichkeitsarbeit für unsere Anliegen deutlich verstärkt worden. Seit Jahresbeginn 2021 wird über die Kommunikationsplattform Twitter zu aktuellen wasserpolitischen Themen Stellung bezogen. Leider konnten die Beratungen der AWE nur teilweise in Präsenz stattfinden. Trotzdem ist es gelungen eine Vergleichsuntersuchung aller Labore zu organisieren und an den Online-Beratungen der IKSE teilnehmen zu können. Vor Beginn des 3. Bewirtschaftungszeitraum nach EUWasserrahmenrichtlinie (2022 bis 2027) nutzten die AWE-Mitgliedsunternehmen die öffentliche Anhörung, um eine Stellungnahme zum Bewirtschaftungsplan und Maßnahme-Programm einzureichen. In einem 9-Punkte-Forderungskatalog werden dem Bund und den Ländern Möglichkeiten aus Sicht der Wasserversorger aufgezeigt, wie eine schrittweise Verbesserung der Fließgewässerqualität im dritten Bewirtschaftungszyklus von statten gehen sollte. Die Wasserversorger bieten den politischen Entscheidungsträgern ihre Unterstützung an, damit die Erreichung der „guten Qualität“ nach WRRL im Sinne aller Verbraucher nicht in weite Ferne rückt. Extra: 
 Zum Weltwassertag 2022 verabschiedete die ERM-Koalition das Europäische Grundwassermemorandum  [Link zum PDF des EGM ] zur qualitativen und quantitativen Sicherung der Trinkwassergewinnung für zukünftige Generationen. Die Trinkwasserversorger mahnen darin an, dass die äußerst wichtige Ressource Grundwasser intensiven qualitativen und quantitativen Schutz benötigt, um auch in Zukunft die Trinkwasserversorgung zu sichern. Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz arbeitet in verschiedenen Projekt- und Arbeitskreisen des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) mit. Die Mitglieder des DVGW-Projektkreises Stabilisierung halten die Arbeitsblatt-Reihe W 214 „Entsäuerung von Wasser“ kontinuierlich auf dem aktuellen Stand. Zurzeit werden auch die Arbeitsblatt-Reihen W 215 „Zentrale Dosierung von Korrosionsinhibitoren“ und W 216 „Versorgung mit unterschiedlichen Wässern“ auf ihre Aktualität geprüft und an die bestehenden Anforderungen angepasst. Zur Überarbeitung gehören bei Bedarf neben Literaturrecherchen auch verschiedene Feldversuche in Zusammenarbeit mit dem DVGW-Technologiezentrum Wasser (TZW) und dem IWW Zentrum Wasser durchgeführt. Weitere Erfahrungen des Unternehmens fließen in die Arbeit des DVGW-Arbeitskreises anthropogene Spurenstoffe (AKAS) ein. Der AKAS ist aus dem Arbeitskreis Pflanzenbehandlungs- und Schädlingsbekämpfungsmittel (PBSM) hervorgegangen. Da sich die durch den Menschen in die Umwelt eingetragenen Spurenstoffe nicht nur auf Pflanzenschutzmittel begrenzen, wurde die Arbeitsaufgabe des Arbeitskreises erweitert. Neben den Pflanzenschutzmitteln werden auch weitere Spurenstoffe wie beispielsweise Arzneimittel, Nitrifikationshemmer und industrielle Zusatzstoffe betrachtet. Der AKAS übergibt dem DVGW-Arbeitskreis Trinkwasser eine Handlungsempfehlung mit den in Sachsen-Anhalt zu untersuchenden Substanzen. Im Freistaat Sachsen existiert eine ähnliche Arbeitsgruppe. Eine weitere DVGW-Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit der risikobewertungsbasierten Anpassung der Probenahmeplanung (RAP). Mit diesem Thema und der Gefährdungsbeurteilung in den Einzugsgebieten werden sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe wahrscheinlich 2022/2023 intensiv befassen. Die Arbeitsgemeinschaft Trinkwassertalsperren (ATT) befasst sich mit Themen, die speziell für Trinkwassertalsperren relevant sind. Sie ist damit eine wichtige Ergänzung zu den Fachgruppen des Deutschen Talsperren Komitees (DTK) und des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW). Im Fachausschuss der ATT werden jeweils neue und aktuelle Themen besprochen, die bei Bedarf zur weiteren Bearbeitung an einen der fünf Arbeitskreise (Analytik, Aufbereitung und Verfahrenstechnik, Bau und Betrieb von Talsperren, Biologie, Talsperrenbewirtschaftung) weitergegeben werden. Die Mitglieder des Fachausschusses der ATT tauschten sich 2021 in zwei Online-Treffen zu den Konsequenzen und Erfahrungen aus dem Niederschlagsereignis im Juli 2021, zum Umgang mit Extremwetter-Ereignissen und zu den Folgen der Waldschäden aus Sicht der Talsperrenbetreiber und Wasserversorger aus. Darüber hinaus wurden die Ergebnisse der Projekte zur Massenentwicklung coliformer Bakterien und Ökosystemdienstleistungen sowie die Literaturstudie zur Flotation für die Aufbereitung von Talsperrenwasser vorgestellt. Unter der Leitung des Arbeitskreises Analytik erfolgte die Aktualisierung der Technischen Information 8 „Untersuchungsprogramm zur Wasserbeschaffenheit in Trinkwassertalsperren“. Dabei flossen viele Erfahrungen der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz ein, die auf dem inzwischen etablierten interinstitutionellen Monitoring der Rappbodetalsperre basieren . Die Überarbeitung der ATT-Homepage wurde abgeschlossen, so dass seit Anfang 2022 eine neue Internetpräsenz Aufgaben und Wirken der Arbeitsgemeinschaft Trinkwassertalsperren in der Fachbranche vorstellt: www.trinkwassertalsperren.de. Am Wasserwerkseingang erfolgt eine kontinuierliche Messung ausgewählter Parameter mittels Online-Messtechnik, die für die direkte Steuerung der Trinkwasseraufbereitung notwendig sind. Weiterhin werden im Rohwasser wöchentlich die Basis- und Indikatorparameter überwacht, die Änderungen der Rohwasserqualität anzeigen. Mehrmals im Jahr erfolgen umfassendere Analysen, bei denen unter anderem ein erweitertes Spektrum an Spurenstoffen untersucht wird. Die Untersuchungen im Rohwasser orientieren sich am DVGW Arbeitsblatt W 254 „Grundsätze für Rohwasseruntersuchungen“. Das Basismessprogramm wird durch die Möglichkeit einer anlassbezogenen Probenahme ergänzt. In Kooperation mit dem UFZ sind für die FEO die Voraussetzungen geschaffen worden, automatische Probenehmer (Autosampler) an den Zuflüssen zum Stausystem an der Hassel, der Rappbode sowie der Kalten Bode und Warmen Bode für Monitoring-Untersuchungen zu nutzen. Die automatische Probenahme erfolgt zurzeit in Abhängigkeit vom Pegelstand und wird somit bei erhöhtem Abfluss ausgelöst. Die Probenahme läuft dann in einem vorgegebenen Zeitintervall ab (z. B. alle drei Stunden) und endet, wenn die acht vorhandenen Flaschen gefüllt sind oder der Pegel sich so weit verringert, dass die automatische Probenahme beendet wird. Somit kann im Fall eines Regenereignisses die ankommende Welle des abfließenden Niederschlagswassers beprobt und danach untersucht werden. Auf diese Art und Weise ist gewährleistet, dass Stoffe, speziell Pflanzenschutzmittel (PBSM) aus der Landwirtschaft, aber auch Unkrautvernichtungsmittel aus dem häuslichen Umfeld oder Abwasserindikatoren wie beispielsweise Coffein, die im näheren Einzugsgebiet in die Umwelt gebracht wurden und durch den Niederschlag transportiert werden, analytisch erfasst werden. Sollte es ausgiebige, länger andauernde Regenfälle geben, so kann der Pegel, der die Probenahme auslöst, angepasst werden. Das Untersuchungsprogramm kann in Abhängigkeit von den in der Landwirtschaft eingesetzten Wirkstoffen variieren. Der TSB übermittelt Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz zudem tagesaktuelle Betriebsdaten der Zuflüsse, Vorsperren und der Hauptsperre sowie meteorologische Messwerte aus dem Einzugsgebiet. Neben dieser automatisiert ablaufenden Online-Datenerfassung des UFZ führt das Labor der FEO ein limnologisches und hydrochemisches Monitoring nach einem Routineplan an den Hauptzuflüssen (Hassel, Rappbode, Kalte Bode und Warme Bode), den Vorsperren (Hassel, Rappbode und Königshütte) und der Hauptsperre Rappbode durch. In diesen Plan ist auch die Aufnahme eines wöchentlichen Tiefenprofils mittels Multiparametersonde von der Staumauer der Rappbodetalsperre integriert. Diese Messdaten sind wichtige Indikatoren, damit das Unternehmen rechtzeitig auf Veränderungen im Wasserkörper reagieren und die Rohwasserentnahmetiefe durch den TSB ändern lassen kann. Alle routinemäßigen Beprobungs- und Sondierungspläne sind eng mit dem TSB abgestimmt, der für den Betrieb des gesamten Bodesystems verantwortlich ist. Im Jahr 2008 startete das TERENO-Projekt (TERestrial ENvironmental Observatoria), eine Initiative des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) Es stellt eine Beobachtungsplattform dar, die verschiedene terrestrische Observatorien in unterschiedlichen Regionen Deutschlands verbindet. Ziele dieses TERENO-Projektes sind unter anderem die Beobachtung und das Studium der Langzeiteinflüsse des globalen Klimawandels, die Untersuchung von Landnutzungsänderungen, sozioökonomischen Entwicklungen und menschlichen Eingriffen in die terrestrischen Ökosysteme sowie die Bereitstellung von multitemporalen und multiskaligen Langzeitumweltdaten. Teil der TERENO-Initiative ist das TOR-Projekt (Talsperren Observatorium Rappbode) im Gebiet von Harz und Mitteldeutschem Tiefland. TOR beschäftigt sich mit den Auswirkungen des globalen Wandels auf Wasserressourcen und Stoffströme sowie auf die biologische Vielfalt des dortigen Lebens. Es umfasst ein umfangreiches Monitoring zur Untersuchung der Wasserqualität, in dem die Hauptzuflüsse, Vorsperren und die Rappbodetalsperre selbst in unterschiedlichen zeitlichen Abständen und auf unterschiedlichen räumlichen Skalen analysiert werden. Automatische Messstationen liefern nonstop eine Fülle von Messdaten wie Nitratkonzentration, SAK254, Wassertemperatur, Leitfähigkeit, Abfluss oder Wasserstände, die in einer zentralen Datenbank des UFZ in Leipzig verwaltet werden. Über einen Fernzugriff stehen diese Daten auch dem Talsperrenbetrieb des Landes Sachsen-Anhalt AöR (TSB) und der FEO zur Verfügung.